Warning: Creating default object from empty value in /var/opt/vhosting/edu/sgs-kongress2013/www/plugins/system/advancedmodules/modulehelper.php on line 319 Plenumsveranstaltung B2: Praktiken der Integrationspolitik in Deutschland und in der Schweiz

Plenumsveranstaltung B2: Praktiken der Integrationspolitik in Deutschland und in der Schweiz

Plenumsveranstaltung B2:
B2 – Praktiken der Integrationspolitik in Deutschland und in der Schweiz

 

Zeit: Donnerstag, 27.06.2013: 09.00 - 11.00
Ort: HG 106
Organisator/en: Dr. Tobias G. Eule 
Chair: Prof. Dr. Christian Joppke 

 

 

Beitrag 1:

Absorbieren, Eingliedern, Integrieren. Der Regierung einheimischer Ausländer auf der Spur. 

 

 

Referent/in: Esteban Piñeiro 
Organisation:

Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz 

Abstract:

Der integrationspolitische Fachdiskurs ortet die Wurzeln des gegenwärtigen Integrationsregimes in der migrationspolitischen Erneuerungsphase der 1990er Jahre. Durch die öffentlichkeitswirksamen kantonalen Leitbilddiskussionen erfuhr das Postulat der Integration damals zwar einen enormen Bedeutungsschub. Übersehen wird dabei aber, dass die Logik der Ausländerintegration weiter zurückreicht. Das historische Verfahren der Genealogie führt uns zur Überfremdungspolitik der 1960/70er Jahre, obwohl sich die offizielle Integrationspolitik davon distanziert. In dieser Zeit stösst das bisherige Abwehrregime an seine Grenzen. Zum einen lässt sich der hohe „Ausländerbestand" nicht begrenzen und abbauen. Zum anderen wendet sich die eigene Bevölkerung gegen die geltende Ausländerpolitik und fordert ein restriktiveres Regime. In diesem Spannungsfeld entwickelt der Bund eine neue Strategie der Eingliederung, die bereits die wesentlichen Insignien des heutigen Integrationsprogramms aufweist. Im Zeichen der Überfremdungsabwehr taucht eine neue Qualität der Problematisierung auf, die den Ausländer zu Regulierungszwecken als „ganzen Menschen" begreift. Im Kampf gegen Überfremdung propagiert der Bund die Annäherung der Bevölkerungen. Die gesellschaftlichen Milieus werden politisch relevant gemacht und als Hauptzielscheibe der Eingliederungspolitik taucht weniger die ausländische, sondern vielmehr die eigene Bevölkerung auf. Die gegenwärtige Integrationspolitik wird diesen Steuerungsmodus perfektionieren und sich von der Überfremdung verabschieden. Sie wird sich einen politischen Horizont geben, dessen Konturen wir bereits Ende der 1960er Jahre entdecken: die Ermöglichung des Zusammenlebens.
Der Beitrag geht diesen historischen Verschiebungen in einem genealogischen Duktus nach und unternimmt im Anschluss an Foucault den Versuch einer gouvernementalen Relektüre der gegenwärtigen Integrationspolitik. 

Bibliographie:

Piñeiro, Esteban/Haller, Jane (2012): Learning to live together – Towards a new integration society. In: Bekerman, Zvi/Geisen, Thomas (Eds.): International Handbook of Migration, Minorities, and Education – Understanding Cultural and Social Differences in processes of Learning. Berlin: Springer, S. 85-100.

Piñeiro, Esteban (2011). Irritationen der Vielfalt. Fachliche Implikationen einer transkulturellen Öffnung der Verwaltung. In: Schweizerische Zeitschrift für Soziale Arbeit. 10. Jg. (1). S. 32-53.

Piñeiro, Esteban (2010): Das Phantasma der Integration. Fiebermessungen mit Terkessidis Interkultur. In: Widerspruch. Heft 59. S.63-72.

Piñeiro, Esteban/Eser Davolio, Miryam/Tov, Eva (2010). Die ""toten Winkel"" der Integrationsvereinbarung. Ungleichheitseffekte der schweizerischen Chancengleichheitspolitik. In: Migration und Soziale Arbeit. 32. Jg. (3/4). S. 203-209.

Piñeiro, Esteban/Bopp, Isabelle/Kreis, Georg (Hg.) (2009). Fördern und Fordern im Fokus: Leerstellen des schweizerischen Integrationsdiskurses. Zürich: Seismo Verlag.

 

 

Beitrag 2:

„Integration vor Ort – wo sonst?" – Zum Stand kommunaler Integrationspolitik in Deutschland 

 

 

Referent/in: Prof. Dr. Roland Roth 
Organisation:

Hochschule Magdeburg-Stendal 

Abstract:

Integrationspolitik hat sich im letzten Jahrzehnt in Deutschland zu einem eigenen kommunalen Handlungsfeld entwickelt. Dazu hat auch die späte Einsicht beigetragen, dass die Bundesrepublik eine Zuwanderungsgesellschaft ist. Mit dem Nationalen Integrationsplan haben 2007 die Gebietskörperschaften diese politische Gestaltungsaufgabe anerkannt und bekräftigt, dass Integration in erster Linie „vor Ort" stattfindet – oder scheitert. Dieser Beitrag informiert über Ergebnisse der ersten breit angelegten Studie, die den Stand der Umsetzung der Empfehlungen der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände in 228 Kommunen erhoben hat. Dabei wird deutlich, dass die Zahl der Kommunen, die einen strategischen Ansatz in der Integrationspolitik verfolgt, deutlich zugenommen hat. Allerdings ist die Situation in einzelnen Handlungsfeldern sehr unterschiedlich. Zudem gibt es ein deutliches Gefälle zwischen großen Städten und Gemeinden in ländlichen Regionen. 

Bibliographie:

Gesemann, Frank/Roth, Roland/Aumüller, Jutta: Stand der kommunalen Integrationspolitik in Deutschland, Berlin: BMVBS 2012

Roth, Roland: Bürgermacht. Eine Streitschrift für mehr Partizipation, Hamburg: edition Körber-Stiftung 2011 & Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung (Schriftenreihe Bd. 1229) 2011

Gesemann, Frank/Roth, Roland (Hrsg.): Lokale Integrationspolitik in der Einwanderungsgesellschaft. Migration und Integration als Herausforderung von Kommunen, Wiesbaden: VS-Verlag 2009

Roth, Roland/Rucht, Dieter (Hrsg.): Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Ein Handbuch, Frankfurt/New York: Campus 2008

Roth, Roland (mit Peter-Georg Albrecht, Roland Eckert, Caroline Thielen-Reffgen, Thomas Wetzstein): Wir und die anderen: Gruppenauseinandersetzungen Jugendlicher in Ost und West, Wiesbaden: VS-Verlag 2007

Roth, Roland/Olk, Thomas: Mehr Partizipation wagen. Argumente für eine verstärkte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung 2007

Roth, Roland: „Integration durch Partizipation – eine vernachlässigte Handlungsoption", in: vhw Forum Wohnen und Stadtentwicklung, 1 (4) 2012, S. 2-8

Roth, Roland: „Was kann das Quartier für die Integration von Zuwandern leisten? Anregungen aus einer Befragung von Kommunen", in: vhw Forum Wohnen und Stadtentwicklung, 6 (3) 2011, S. 295-300

 

 

Beitrag 3:

Willkommenskultur auf dem Prüfstand: Schweizer und Deutsche Ansätze im Vergleich 

 

 

Referent/in: Dr. Tobias G. Eule, und Jaromir Bregy, M.A. 
Organisation:

Universität Bern 

Abstract:

In Westeuropa zeichnet sich seit einigen Jahren ein Trend hin zu ziviler Integration ab, der gekennzeichnet ist durch zunehmend verpflichtende Sprach- und Integrationskurse für Zuwanderer, deren Besuch immer stärker an ausländerrechtliche Konsequenzen gekoppelt ist. In der Schweiz findet diese Entwicklung Ausdruck im Konzept „Fördern und Fordern". Ausgehend von Ausländergesetzgebung und Freizügigkeitsabkommen und gepaart mit einem ausgeprägten Föderalismus bilden sich kantonal und gar lokal unterschiedliche Integrationspraktiken heraus, weswegen der Schweizer Integrationspolitik des Öfteren mangelnde Kohärenz nachgesagt wird. Im Rahmen dieser Entwicklung beginnt sich stellenweise ein Konzept herauszubilden, welches unter dem Namen „Willkommenskultur" zusammengefasst werden könnte. Darunter wird hier ein bewusst offenes Konstrukt von Aufeinandertreffen von Staat und Zivilgesellschaft mit der ausländischen Bevölkerung verstanden. Integration beginnt in diesem Sinne bei einem Erstkontakt an ebendiesen Schnittstellen. Ähnliche Entwicklungen lassen sich für Deutschland feststellen: Viele Kommunen haben die Reform des Aufenthaltsgesetzes 2005 zum Anlass genommen, Organisationsstrukturen und öffentliche Selbstdarstellungen zu überdenken. Dies hat in einigen Fällen zur Proklamation des Wandels der Ausländerbehörden von „Ordnungsbehörden" zu „Integrationsämtern" geführt. Auch in Deutschland befassen sich die diversen kommunalen Ansätze mit der Frage nach „Willkommenskultur", ohne dass der Begriff klar definiert oder erläutert werden würde.

Wie gezeigt wird, deckt der Begriff „Willkommenskultur" eine Vielzahl unterschiedlich konkreter, institutionalisierter und ausgeprägter Konzepte ab. Das Anliegen dieser Analyse ist es, ebendiese Bestrebung auf dem Weg hin zu einer flächendeckenden „Willkommenskultur" durch einen Vergleich von acht unterschiedlichen Kantonen in der Schweiz und acht unterschiedlichen Kommunen in fünf verschiedenen deutschen Bundesländern fassbar zu machen. Diese lokalen Ansätze werden miteinander verglichen und gleichzeitig in einen hoheitsstaatlich forcierten Diskurs der Vereinheitlichung von Integrationspolitik eingeordnet. Weiter erlauben die verschiedenen Ausprägungen von Integrationsbemühungen nach wie vor Rückschlüsse auf unterschiedliche Auffassungen von Integration, die einerseits auf der Unbestimmtheit des Begriffs gründen, andererseits Zusammenhänge mit Urbanitätsgrad, Sprache, Ausländeranteil und Politik in den jeweiligen Kommunen haben können.

Bibliographie:

Eule, Tobias G. 2013. „Arbeitsteilung und verschwindende Verantwortlichkeit in der Fallsachbearbeitung" in T. Trappe (Hrsg) Ethik in der öffentlichen Verwaltung. Frankfurt am Main: Verlag für Polizeiwissenschaft.

Eule, Tobias G. 2013. Inside Immigration Law: Migration Management and Policy Application in Germany. Farnham: Ashgate.